Die Technologie macht es möglich. Handy rausholen, auf Videomodus stellen und schon kann man drauflos filmen. Ob Golfplätze, eventuell einen langen Putt der fällt (weiß man ja leider nicht vorher), lustige Dinge die sich anbahnen oder stimmungsvolle Sonnenuntergänge auf der Clubhaus-Terrasse. Wie diese Art von Videos gedreht wird, nach welchen Merkmalen, ist völlig egal. Jeder darf es nach seiner ganz eigenen Fasson ausführen. Alles kann, nichts muss.

Möchtest du hingegen deinen Golfschwung aufnehmen, um ihn danach zu analysieren oder deine golftechnische Entwicklung für dich kontinuierlich zu dokumentieren, dann solltest du jedoch einige Aspekte bei den Video-Aufnahmen  berücksichtigen.

Welche Aspekte das sind, erfährst du in diesem Blog-Artikel.

Dein Handy

Das Entscheidende um deinen Schwung sinnvoll zu analysieren, ist, das du deinen Golfschläger in dem Video klar (nicht verschwommen/verwischt) erkennst. Würdest du mit dem „normalen“ Video-Modus deines Handys filmen, passiert aber genau das. Was ist also zu tun? Fast alle Handy-Hersteller haben für eine dynamische Bewegung (wie z.B. den Golfschwung) meistens noch eine Zusatzfunktion unter der Rubrik „Video“ parat. Bei einem i-phone ist es die Funktion „SLO-MO“. Diese befindet sich, wenn du nach rechts „wischt“, genau hinter der Einstellung „Video“. Das ist er: der Aufnahmemodus, welchen du brauchst, um deinen Golfschwung klar und deutlich zu erkennen.

i-phone die Funktion „SLO-MO“

Stativ

Häufiger bekomme ich Videos von meinen Schülern gesendet, die freihändig und ohne Stativ aufgenommen wurden. Kurz vor dem Treffmoment hat der „Aufnehmer“ (die Person die filmt) unglücklicherweise leider kurz gewackelt. Sorry, aber diese Art von Video können dann nicht seriös kommentieren werden. Wackelbilder bringen dir (und mir) nichts. Daher: immer mit einem Stativ arbeiten!

Foto vom Handy auf einem Stativ

Position

Mache dir eines klar: wenn du deinen Schwung gut analysieren möchtest, ist der Schlägerverlauf das entscheidende Kriterium schlechthin! Schwingt dein Schläger von aussen nach innen, steht er im höchsten Punkt des Rückschwunges „gekreuzt“ o. ä.. Genau das sind die Informationen, die du durch ein Video erkennen möchtest. Mit diesen Infos kannst du dann Rückschlüsse ziehen, wie dein Ballflug zustande kommt.

Und jetzt kommt die entscheidende Information für dich: Um einen Schlägerweg tatsächlich richtig analysieren zu können, muss die Position deines Handys/Statives passen!

  • Dein Handy muss in der Verlängerung des Griffendes stehen!
  • Dein Handy muss in Hüfthöhe des Spielers platziert sein!

Stelle, um die Wichtigkeit der richtigen Position des Statives/Handys besser zu verstehen, einfach einmal das Stativ samt Handy zu weit nach links vom Spieler (Höhe Spieler), dann erscheint dir jeder Schläger von außen kommend, was er vielleicht gar nicht ist. Andersherum: stelle dein Stativ mehr rechts vom Spieler (Verlängerung zum Schlägerkopf) und schon erscheint dir der Schläger von innen kommend (was er aber vielleicht ((schade eigentlich)) auch nicht ist).

Die Fotos zeigen dir die Korrekte, aber auch bewusst die falschen Positionen.

Zu weit von hinten
Zu weit von vorne
Richtige Position

Nice to have

Du kannst zusätzlich noch einen Ausrichtungsstab am Boden positionieren, (alternativ: Schläger) um beim nachträglichen analysieren deines Schwungvideos noch einen zusätzlichen Referenzpunkt, bezüglich des Schlägerweges, zu haben. Dies ist nicht zwingend erforderlich, aber es macht die Analyse danach noch einfacher.

Golf Ausrichtungsstab

Was muss zu sehen sein?

Logischerweise der Golfer mit seinem Schwung. Klingt einleuchtend, ist es aber oft nicht. Sehe ich mir z.B. auf der social-media Plattform Instagram (wo ich aktiv bin) Golfschwünge an, dann werden dort oft fantastische Landschaftsaufnahmen gefilmt und wenn ich genau hinsehe kann ich auch noch ganz weit entfernt einen Golfer erkennen (Ironie!). Soll heißen: Achte darauf, dass du mit deiner Golfbewegung im Vordergrund und bildfüllend im Handy zu erkennen bist!

Die Fotos zeigen dir was ich damit genau meine.

entfernung-falsch-01
entfernung-richtig-02
entfernung-richtig-01

Wiederholbarkeit

Ist es dein Ziel, deine Golfbewegung über einen längeren Zeitraum kontinuierlich aufzunehmen um deine golftechnische Entwicklung zu vergleichen und diese zu dokumentieren ist es zweckmäßig, dass sich die Rahmenbedingungen deiner Aufnahmen kaum (idealerweise: überhaupt nicht) verändern. Tipp: wenn in deinem Heimatclub fest installierte Abschlagsmatten auf der Range vorhanden sind, benutze für deine Aufnahmen immer die gleiche Matte. Das hat den zusätzlichen Vorteil, dass das dort eingelassene Gummitee, dir immer die identische Ballposition vorgibt (Ball immer Höhe des Tees legen). Zudem kannst du mit Schritten, von der Abschlagmatte aus gemessen, den Abstand deines Handys/Stativ bestimmen. Damit kannst, bei zukünftigen Aufnahmen, dein Handy immer wieder konstant am gleichen Ort platzieren.

Zeichen geben

Vielleicht schaust du dir deine Schwungvideos nicht sofort, sondern zu einem späteren Zeitpunkt an. Dann ist es wahrscheinlich, dass du den entsprechenden Ballflug zu den aufgenommenen Schwüngen nicht mehr präsent hast. Daher mein Tipp: zeige direkt nach einem Schwung noch kurz an, wo dein Ballflug hinging und/oder mache ein Zeichen mit dem Daumen (gut: Daumen hoch, medium: Daumen mittig, nicht so gut: Daumen nach unten)

Gut
Mittel
Schlecht

Bewegung mit Ball aufnehmen (Keine Probeschwünge)

Wer kennt das nicht? Die Probeschwünge fühlen sich oft flüssig und rund an, doch kommt der Ball ins Spiel, wird es irgendwie etwas schwieriger.

Daher: Videoaufnahmen, die zu einer Schwunganalyse nützlich sein sollen, bitte immer mit einem Golfball und einem tatsächlich stattfindenden Golfschlag ausführen.

Frontalaufnahme

Bei der Aufnahme von vorne solltest du rechtwinklig zur Ziellinie stehen und dein Handy/Stativ sich genau vor deiner Körper-Mitte befinden. Auch hier gilt wieder: bitte keine Landschaftsaufnahmen! Ideal wäre eine Stativ-Position, die so nah am Spieler ist, dass der Schlägerkopf kurz vor dem höchsten Punkt aus dem Bild verschwindet.

SLO-MO aus! Normaler Videomodus an.

Es geht nicht immer nur um technische Details einer Golfbewegung. Vielfach ist ein Ballflug-oder gerade ein Balltreffmoment-Problem auch im Rhythmus des Schwungs begründet. Hierfür bietet es sich an, Golfschwünge nicht im Zeitlupen-Modus (Slo-Mo) aufzunehmen, sondern in realer Schwunggeschwindigkeit. In diesem Zusammenhang macht es Sinn, den obigen Tipp, keine Probeschwünge aufzunehmen, kurz zu ignorieren. Nehme im normalen Video-Modus deines Handys einen Probeschwung und danach einen Schwung mit Ball auf. Verändert sich der Rhythmus mit Ball augenscheinlich, wird deine Bewegung mit Ball also hektischer und verkrampfter, dann solltest du primär an deinem Rhythmus arbeiten.

Melde dich JETZT zu meinem Golf Newsletter an!

Qualität deiner Videoaufnahmen

Da die Handys im Slo-Mo Modus mit sogenannten „Verschlusszeiten“ arbeiten, sind für gute Aufnahmen viel Licht und Helligkeit vonnöten. Vermeide daher Aufnahmen bei regnerischem Wetter, Dämmerung oder bei Dunkelheit. Bei diesen negativen Bedingungen schalten viele Handys automatisch auf längere Belichtungszeiten. Was zur Folge hat, dass der Schläger in den Videos nicht mehr gut zu erkennen ist.

TIPP

Mein abschließender Tipp an dich: Ich bin überzeugt davon, dass du nun mit den genannten Hinweisen, qualitativ aussagekräftige Videos deiner Golfbewegung produzieren kannst. Jedoch habe ich in den letzten Jahren auch beobachtet, dass viele Freizeitgolfer es mit den Aufnahmen von den eigenen Golfschwüngen auch etwas übertreiben. Was möchte ich damit sagen? Videos machen dann Sinn, wenn man z.B. nach einer Trainerstunde eine technische Position in seinem Schwung verändern möchte. Dann sind Videos fantastisch dazu geeignet, zu überprüfen, ob es einem schon gelungen ist diese Position zu erzielen. Das muss dann aber auch nicht in jeder einzelnen Trainingseinheit von dir sein. Veränderungen in der Golfbewegung brauchen Zeit und es darf sich auch ein körperliches Gefühl und eine geistige Vorstellung für diese neue Position bei dir entwickeln. Letztendlich spielst du auf dem Golfplatz ohne irgendwelche Hilfsmittel. Insofern ist ein körperliches Gefühl für deinen Schwung viel existenzieller für dein Golfspiel, als ein tolles Videobild, welches ohne irgendwelche körperliche und/oder geistige Verbindung entstanden ist.

Viel Spaß bei der Umsetzung und ich wünsche dir ein schönes Spiel.

Dein Coach Fred